
Bürgermeister Schärf bei den Hirschrufmeisterschaften 2009
Vom 23. bis 25. September finden in Sankt Andreasberg wieder die Hirschbrunft-Erlebnistage statt. Im Rahmen dieses Wochenendes erwartet euch als Highlight die 11. Harzer Hirschrufmeisterschaft am 24. September!
Um euch für diesen Sport zu begeistern, habe ich exklusiv für euch den Bürgermeister unserer schönen Oberharzer Bergstadt Sankt Andreasberg, Herrn Bürgermeister Schärf, interviewt, damit er uns als Profi dieser Disziplin wichtige Einsteiger-Tipps giben kann.
Schaut euch seine Tipps an und nehmt unbedingt am 24. September teil an diesem außergewöhnlichen Wettkampf. Den Gewinnern winken attraktive Preisgelder:
- 1. Platz 300 €
- 2. Platz 100 €
- 3. Platz 50 €
Sehr geehrter Bürgermeister Schärf, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und uns einen kleinen Einblick in das Leben eines Hirschrufers geben.
Wie sind Sie dazu gekommen bei den Harzer Hirschrufmeisterschaften teilzunehmen?
Ich bin etwas außerhalb von Sankt Andreasberg im Wald aufgewachsen. Mein Vater war sehr naturverbunden und konnte selbst den Hirschruf gut nachahmen. So war es ganz normal, dass wir als Kinder und Jugendliche während der Brunft versucht haben die Hirsche mit Gießkannen anzulocken. Dies gelang manchmal auch ganz gut. Später war es immer ein interessantes Erlebnis, wenn man mit jungen Damen einen Abendspaziergang zum “Hirschebrüllen” machte und z.B. mit einer Pappröhre einen Hirsch heran locken konnte. Der urige Schrei hat etwas Furchterregendes und bei der Größe des Tieres mit einem Gewicht von bis über 300 Kilo ist das auch kein Wunder. Die Damen suchten dann schnell Schutz. Versuche mit einem Weizenbierglas, erstmals in einer Kneipe praktiziert, waren erfolgreich. Vor allem bei den Lachern, aber auch in der Natur bei den Hirschen. Bei einem Besuch der Messe “Pferd und Jagd” in Hannover, konnte ich die Deutschen Meisterschaften der Hirschrufer verfolgen. “Was die können, kannst du auch”, sagte ich mir und so nahm ich an den nächsten Deutschen Meisterschaften teil und wurde Vierter. Wieder in Andreasberg kam ich mit anderen Andreasbergern die Idee auf, “Harzer Hirschruf Meisterschaften” zu veranstalten und als guter Gastgeber muss man dabei sein.
Da haben Sie natürlich Recht! Was waren denn Ihre größten Erfolge und schönsten Moment bei den von Ihnen initiierten Harzer Hirschrufmeisterschaften?
Der größte Erfolg war ein zweiter Platz hinter dem mehrfachen Deutschen Meister und das schönste Erlebnis war, als bei einer der ersten Veranstaltungen sieben Fernsehsender und mehrere Journalisten vom Hörfunk und der schreibenden Presse vor Ort waren.
Da erlangt die Veranstaltung ja wirklich überregionale Bedeutung, toll. Welches Equipment eignet sich Ihrer Meinung nach besonders um einen Hirsch in der Brunft nachzuahmen?
Jedes Gerät, welches die Luftröhre verlängert und den Ton verstärkt. Es gibt industriell hergestellte verschiebbare Röhren aus verschiedenen Materialien. Papp- oder Plastikrohre von ca. 3-4 cm sind gut geeignet. Ausgehöhlte große Rinderhörner haben einen guten Klang aber auch Tritonmuscheln sind sehr gut. Weizenbiergläser gehen auch.
Das ist ja schon mal ein guter Tipp für Neueinsteiger. Vielleicht verraten Sie uns noch wie Ihr Training aussieht, damit wir auch eine Chance gegen die „alten Hasen“ haben?
Da ich das Hirsche-Rufen nicht als Jäger professionell betreibe, übe ich nicht sehr viel. Ich rufe ein paar Tage vor dem Wettkampf, um meine Stimme daran zu gewöhnen. Guter Single Malt Whisky zwei Wochen vorher jeden Abend eine halbe Flasche soll auch helfen. Habe ich aber noch nicht probiert.
Anfänger sollten mithilfe von erfahrenen Brunftjägern ihre Erfahrungen sammeln. Es gibt auch Tonträger oder Beispiele bei youtube. Einfach so im Wald probieren sollte man nicht, da man aus Unerfahrenheit das Wild leicht verjagt. Auch Wanderungen unter Führung im Brunftrevier können helfen. Entscheidend für einen guten Hirschruf ist aber die lange Erfahrung und die genaue Ausführung des geforderten Rufes bei einem Wettkampf.
Haben auch Frauen die Chance auf Teilnahme und Erfolg oder ist dies eine eher männliche Disziplin?
Es ist, aufgrund der tiefen Stimmlage, eher eine Disziplin für Männer. Aber bei den letzten Deutschen Meisterschaften hat auch eine Frau mit gemacht und dies nicht mal schlecht. Leider kann sie an der Harzer Meisterschaft nicht teilnehmen.
Schade, ein geschlechterübergreifender Wettkampf wäre sicher spannend zu beobachten. Haben Sie „Ihren Ruf“ denn schon einmal in der freien Natur unter „realen Bedingungen“ getestet? Wenn ja, mit welchem Ergebnis?
Natürlich, nur so kann man´s richtig lernen. Vor zwei Jahren habe ich einen Platzhirsch bis auf ca. 10 Meter heran gelockt. Er dachte ich sei ein Nebenbuhler und war dementsprechend zornig. Leider war der Baum an dem ich lehnte, nicht zum Raufklettern geeignet. Glücklicherweise habe ich nicht so schlecht gerochen wie ein Brunfthirsch und als er Witterung von mir bekam ist er geflüchtet.
Da können wir ja von Glück sprechen und uns freuen, dass es so glimpflich ausging! Wie lange dauert es überhaupt von ersten Rufversuchen, bis einem wirklich Hirschkühe hinterher laufen?
Wenn das so einfach wäre, wäre ich vermutlich nicht verheiratet. Der Ruf wirkt nicht auf die holde Weiblichkeit. Er dient lediglich zur Abschreckung des Gegners, um einen Kampf zu vermeiden. Der Schrei gilt also dem Nebenbuhler.
Interessant, wir haben viel aus diesem Interview gelernt, vielen Dank! Nun noch eine letzte Frage: Warum sollte jeder Besucher des Oberharzes an diesem außergewöhnlichen Wettstreit teilnehmen?
Weil ein solcher Wettkampf viel Spaß macht und weil man nette Leute kennen lernt, neue Erfahrungen sammelt und bei der nächsten Party damit unheimlich glänzen und vielleicht die Mädels doch beeindrucken kann.
Vielen Dank für dieses Interview, wir drücken Ihnen die Daumen, dass Sie sich beim Wettkampf im September den Meistertitel holen können!